Home ]

Mit flinken Fingern

von Jörg Linder

Enrico Grämer war so nett, mir das Interface zum Anschluß von PC-Tastaturen an den KC als Vorab-Version für einen Test zu überlassen. Nachdem ich voller Vorfreude das schaumstoffausgekleidete Päckchen geradezu aufgerissen hatte, kam eine ca. 45 x 68 mm kleine Platine im wohlbehüteten Inneren zum Vorschein. Darauf befinden sich 4 Schaltkreise und eine "Handvoll" anderer Bauteile. Von bzw. zur Platine führen zwei etwa 20 cm lange Kabel mit DIN-Steckern - eines mit "V.24" und das andere mit "KBD" beschriftet.

"Oh! Das ist alles!?" dachte ich im ersten Moment. Natürlich wird man sofort neugierig. Die Installation - wenn dieser Begriff überhaupt gerechtfertigt ist - war mehr als einfach: Den V.24-Stecker mit Kanal 2 (rechts) des M003 kontaktiert, den KBD-Stecker in die KEYBOARD-Buchse und die PC-Tastatur via PS/2-Adapter mit der Buchse auf dem Interface verbunden, fertig!

Nach dem Einschalten des KC dauert es einen Moment, bis das Interface betriebsbereit ist. Man erkennt dies am Aufleuchten der auf der Tastatur befindlichen Leuchtdioden für "Num" und "Rollen". Das zur Anmeldung notwendige 0DH wird automatisch an die V.24 gesendet, so daß man sich die Betätigung der Enter-Taste sparen und sofort wie wild drauflos tippen kann.

Ja wirklich, die (Schreib-)Arbeit damit macht wirklich Spaß. Während die Original-Tastatur eher eine Zumutung ist (erforderlicher Tastendruck zu groß, Belegung nicht ganz einer Schreibmaschine entsprechend) und auch die D005 sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert (häufiges Prellen, Belegung ebenfalls nicht ganz OK, teilweise Tasten-"Aussetzer"), kann man jetzt mit einer entsprechenden PC-Tastatur seinen Fingern etwas Gutes tun.

An dieser Stelle möchte ich noch einen Rat an zukünftige Tastatur-Käufer geben: Nicht das billigste Modell und schon gar nicht aus einem Katalog nehmen. Am besten ist es, wenn man die Tastatur seiner Wahl vorher beim Händler ausprobieren kann. Nur so läßt sich feststellen, ob Anschlag, Druckpunkt, Neigungswinkel usw. angenehm sind. Ich habe z. B. eine Cherry-Tastatur mit sogenanntem "weichen Klick". Sie hat einen definierten aber soften Druckpunkt, der Anschlag ist angenehm. Zwar bekommt man dieses Modell nicht gerade hinterhergeworfen, aber man kauft sich ja nicht täglich so ein Teil.

Doch nun wieder zum Interface. Ich habe es vorrangig mit den beiden Textverarbeitungsprogrammen WordPro6 und WordStar (TPKC) getestet. Es ist geradezu unglaublich, wieviel schneller man schreiben kann! Das liegt hauptsächlich daran, daß der Tastencode "verarbeitungsfertig" am V.24-Kanal ansteht und nicht erst aus der Sendefolge eines U 807 decodiert werden muß.

Während ich früher nach der Eingabe von einigen Zeichen warten mußte, bis die Bildschirmanzeige gefolgt war und mich dann mit "verschluckten" oder durch Tastenprellen mehrfach erscheinenden Buchstaben eines besseren belehrte, ist dies jetzt ins Gegenteil umgeschlagen. Mit zehn Fingern und geschätzten 350 Anschlägen pro Minute gleitet der Cursor dahin und spornt mich mit einem gelangweilten Blinken zu noch mehr Tempo an. Es ist mir beim normalen Schreiben nicht gelungen, das System aus der Reserve zu locken. Selbst bei Erreichen des Bildschirmendes und anschließendem Scrollen hat TPKC nicht einen einzigen Buchstaben unterschlagen. (Dazu trägt natürlich auch der Puffer von ZAS bei.)

Von den zahlreichen Belegungsvarianten habe ich kaum Gebrauch gemacht. Im wesentlichen sollten die Betriebsmodi "CAOS", "CP/M" und "TPKC" ausreichend sein. Zwar habe ich auch mal kurz unter BASIC die Befehle per Tastendruck ausprobiert, aber mangels Umgang fehlt mir wohl inzwischen der Bezug zu BASIC. Mit einem Klick sind die Kommandos jedenfalls da.

In dieser Ausgabe sollte auch Enricos Artikel zum Tastaturinterface zu finden sein (wenn nicht, dann war die Zeit wohl zu knapp), so daß ich mich über technische Details nicht äußern möchte. Zum Betrieb unter MicroDOS bzw. MLDOS nur soviel: Es muß der Koppeltreiber V24TAST.KOP installiert sein, um das Tastaturinterface in dieser Betriebsart nutzen zu können. Anderenfalls sorgt der EPROM-interne Treiber dafür, daß die V.24 wegen Moduswechsel die Tastatur regelrecht "abhängt". Wer übrigens schon den neuen EPROM F8 eingebaut hat, braucht sich um das eben geschilderte Problem nicht kümmern, denn aus diesem EPROM wird kein Koppeltreiber übertragen und der unter CAOS laufende V.24-Modus wird beibehalten.

Fazit:
Die Anschaffung lohnt sich für jeden, dem seine Finger lieb sind. Für Vielschreiber und solche die es werden wollen, ist das Interface ebenso ein Muß wie für diejenigen, die das 10-Finger-System beherrschen. Ich bin jedenfalls begeistert und arbeite seit einigen Wochen ausschließlich mit einer PC-Tastatur am KC. Aus meiner Sicht dürfte sich das Interface zum absoluten Renner entwickeln. Dem steht höchstens noch der Preis im Wege, doch wenn genügend Bestellungen bei Enrico eintreffen, kann er sicherlich einen ordentlichen Rabatt aushandeln!